
Auf Regie arbeiten als Elektriker
· Redaktion
Der Kunde ruft an, der Fehler ist unklar, ein Fixpreis lässt sich seriös nicht anbieten. Für genau solche Fälle gibt es die Regie: Du verrechnest nach tatsächlichem Aufwand statt nach einem vorab fixierten Preis. Hier liest du, was „auf Regie arbeiten” für dich als Elektriker heißt, was in einen Regiebericht gehört, und wie viel du pro Regiestunde verrechnen darfst.
Was heißt „auf Regie arbeiten”?
Auf Regie arbeiten heißt: verrechnen nach tatsächlichem Aufwand. Du rechnest also nach Arbeitsstunden und verbrauchtem Material ab, statt nach einem vorab vereinbarten Fest- oder Pauschalpreis.
Das Gegenstück ist die Pauschale oder der Fixpreis: Da steht der Preis schon im Angebot fest, egal wie lange du am Ende wirklich brauchst. Bei Regiearbeiten dagegen trägst du als Elektriker kein Kalkulationsrisiko für unbekannten Aufwand, dafür muss der Kunde akzeptieren, dass der Endpreis erst nach Abschluss der Arbeit feststeht. Auch die WKO grenzt Regieleistungen genau darüber ab: Es sind Leistungen, die im Vorfeld nicht ausgeschrieben oder fix bepreist wurden. Die Baubetriebswirtschaft definiert es in der Fachbroschüre „Know-How am Bau 5: Regieleistungen” (Kropik, Bundesinnung Bau) genauso: abgerechnet wird nach dem tatsächlichen Verbrauch und Einsatz der Produktionsmittel — zu den vereinbarten Regiesätzen, nicht nach deinen tatsächlichen Selbstkosten.
Wann arbeitest du als Elektriker typischerweise auf Regie?
Bei Zusatzarbeiten während eines laufenden Auftrags, bei Störungssuche mit unklarem Aufwand, und bei Arbeiten außerhalb des ursprünglichen Kostenvoranschlags.
Klassische Beispiele aus deinem Alltag: Du bist wegen eines Zählerschrank-Tauschs vor Ort, und der Kunde bittet dich spontan, gleich noch zwei Steckdosen zu setzen. Du suchst einen Fehler in einer alten Installation, und niemand weiß vorher, ob das eine Stunde oder einen halben Tag dauert. Oder du stößt beim Tausch einer Sicherung auf eine völlig andere Verkabelung als erwartet, und der ursprüngliche Kostenvoranschlag passt nicht mehr. In all diesen Fällen wäre ein Fixpreis reine Glücksrechnung, auf Regie zu arbeiten ist ehrlicher für beide Seiten.
Was ist ein Regiebericht, und wozu brauchst du ihn?
Der Regiebericht ist dein schriftlicher Nachweis der Regiearbeit. Er hält fest, was du wann, wie lange und mit welchem Material gemacht hast, und ist die Grundlage für deine spätere Regierechnung.
Ohne Regiebericht hast du am Ende nur deine eigene Erinnerung als Beleg, und die reicht bei einer Nachfrage des Kunden nicht. Der Regiebericht dokumentiert die Arbeit direkt an dem Tag, an dem sie passiert, mit Unterschrift des Auftraggebers. Er ersetzt keine Rechnung, sondern liefert dir die Zahlen, mit denen du danach die Regierechnung schreibst.
Was muss in einen Regiebericht rein?
Datum, Auftraggeber und Baustelle, die ausgeführte Tätigkeit, Beginn- und Endzeit der Arbeit, verwendetes Material, und die Unterschrift des Auftraggebers direkt vor Ort.
Je konkreter du die Tätigkeit beschreibst, desto weniger Diskussion gibt es später. “Fehlersuche und Reparatur Verteilerstromkreis EG” ist besser nachvollziehbar als “diverse Arbeiten”. Bei den Arbeitsstunden trägst du Beginn- und Endzeit ein, nicht nur eine Gesamtstundenzahl, das macht den Bericht glaubwürdiger. Beim Material reicht Menge und Bezeichnung, Belege legst du separat dazu.
Regiebericht-Vorlage: Papierblock, Excel oder App?
Alle drei Formate funktionieren. Der Unterschied liegt in Tempo und Fehleranfälligkeit: Der Papierblock ist am schnellsten griffbereit, Excel am flexibelsten, eine App erspart dir das Abtippen am Abend.
Egal für welches Format du dich entscheidest: Diese sechs Zeilen brauchst du auf jedem Regiebericht, hier mit einer Beispielzeile zum Abschreiben.
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Datum | 14.07.2026 |
| Auftraggeber / Baustelle | Fam. Huber, Hauptstraße 12, 4020 Linz |
| Ausgeführte Tätigkeit | Fehlersuche und Reparatur Verteilerstromkreis EG |
| Beginn – Ende | 08:15 – 11:45 Uhr |
| Verwendetes Material | 1× Sicherungsautomat B16, 5 m NYM-J 3×1,5 |
| Unterschrift Auftraggeber | _______________________ |
Trag diese sechs Felder in einen Papierblock, eine Excel-Tabelle oder eine App ein, mehr braucht ein vollständiger Regiebericht nicht. Der klassische Papier-Regiezettel liegt im Servicewagen, ist sofort einsatzbereit, muss aber am Ende der Woche irgendwo abgetippt werden, wenn du daraus eine Rechnung machen willst. Excel ist gratis und anpassbar, verlangt aber, dass du am Feierabend noch am Laptop sitzt. Wenn dir eine fertige Datei lieber ist als eine eigene Tabelle: Die WKO Bundesinnung Bau stellt kostenlose Mustertabellen für Regieantrag/-auftrag und Regiebericht als Excel-Datei zum Download bereit. Eine App, die Regiestunden direkt am Handy erfasst und Unterschriften digital einsammelt, spart dir genau den Zwischenschritt des Abtippens.
Wie viel darfst du pro Regiestunde verrechnen?
Der amtliche Regiesatz 2026 liegt bei 70,66 € netto pro Stunde. Er gilt seit 1. Jänner 2026 für den Monteur bei Regieleistungen ohne vorherige Ausschreibung, festgelegt vom Wirtschaftsministerium (BMAW).
Diesen BMAW-Regiestundensatz hast du wahrscheinlich schon einmal gehört, er wird oft mit deinem eigenen kalkulierten Stundensatz verwechselt. Das ist er nicht: Der amtliche Regiesatz ist eine Verrechnungsrichtgröße für nicht ausgeschriebene Leistungen, dein eigener Stundensatz ergibt sich aus deinen tatsächlichen Kosten. Die vollständige Kalkulation nach K3-Blatt liest du im Artikel, in dem du auch deinen Stundensatz selbst berechnest.
Stand: Juli 2026 — der 70,66-€-Satz gilt seit 1. Jänner 2026 und wird jährlich neu festgelegt. Prüf den aktuellen Wert vor dem Verrechnen nochmal bei der WKO, bevor du ihn auf eine Regierechnung schreibst.
Warum sollte dir der Kunde den Regiebericht sofort gegenzeichnen?
Weil dir ohne Unterschrift im Streitfall der Beweis fehlt. Du müsstest dann belegen, dass du die Stunden und das Material wirklich so erbracht hast, wie du sie aufgeschrieben hast, und das ist im Nachhinein fast unmöglich.
Wochen später erinnert sich kaum noch jemand genau, wie lange eine Fehlersuche gedauert hat. Mit einer Unterschrift direkt vor Ort bestätigt der Kunde die Stunden und das Material, solange die Arbeit noch frisch ist. Das ist kein Misstrauen, sondern schützt beide Seiten vor Diskussionen bei der Rechnung.
Profi-Tipp
Fotografiere den unterschriebenen Regiebericht direkt am Handy ab, sobald der Kunde unterschrieben hat. Dann hast du ihn sofort digital gesichert, auch wenn der Zettel später im Servicewagen verschwindet.
Regie oder Pauschalpreis: Was ist besser für dich?
Regie schützt dich bei unklarem Aufwand. Die Pauschale gibt dir und dem Kunden Planungssicherheit, dafür trägst du bei ihr das Risiko einer Fehlkalkulation.
Bei überschaubaren, gut einschätzbaren Arbeiten ist eine Pauschale für den Kunden angenehmer, weil er von Anfang an weiß, was er zahlt. Sobald der Aufwand schwer abschätzbar ist, etwa bei Störungssuche oder Arbeiten in alter Bausubstanz, ist Regie die fairere Lösung für dich. Der Nachteil: Du musst dem Kunden vorher erklären, warum du hier keinen Fixpreis nennen kannst, sonst wirkt die spätere Rechnung wie eine böse Überraschung.
Aufgepasst: Die häufigsten Fehler bei der Regieabrechnung
Auch die WKO Bundesinnung Bau warnt in ihrer Folderserie “Know-How am Bau” genau vor diesen Stolperfallen bei Regieleistungen: fehlende schriftliche Beauftragung, ungeklärte Berechtigung zur Anordnung, und Aufzeichnungen, die nicht ordnungsgemäß oder nicht rechtzeitig dokumentiert werden. Bei dir als Elektriker sieht das im Alltag konkret so aus:
- Der Regiebericht wird erst im Nachhinein aus dem Gedächtnis ausgefüllt, statt direkt vor Ort.
- Der Kunde unterschreibt nicht, weil “eh alles klar” ist.
- Material wird ohne Belege oder Mengenangaben verrechnet.
- Rüstzeiten und Anfahrt werden im Regiebericht schlicht vergessen.
Auch die Anfahrtspauschale läuft oft parallel zur Regiearbeit — wer sie nicht separat ausweist, verschenkt Geld.
Kurz & praktisch
- Regie heißt: Verrechnung nach Aufwand statt nach Fixpreis.
- Der Regiebericht ist dein Nachweis, nicht die Rechnung selbst.
- Datum, Tätigkeit, Beginn/Ende, Material, Unterschrift gehören immer rein.
- Lass dir den Bericht direkt vor Ort gegenzeichnen, nicht später.
- Der amtliche Regiesatz (70,66 €/h Monteur, 2026) ist kein Ersatz für deinen eigenen kalkulierten Stundensatz.
Der Regiebericht ist die Brücke zwischen der Arbeit, die du geleistet hast, und der Rechnung, die du danach schreibst. Ohne ihn stützt du dich beim Verrechnen auf dein Gedächtnis, mit ihm auf einen Beleg, den auch der Kunde unterschrieben hat.
Arbeitest du auf Regie mit einem Subunternehmer, gehört dessen Regiebericht genauso zur Dokumentation wie deiner. Und zahlt der Kunde trotz unterschriebenem Regiebericht nicht, hilft dir eine korrekte Mahnung weiter.
Quellen
- Stundensätze für Regieleistungen 2026 (WKO Bundesinnung Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker)
- Mustertabellen Regieantrag/-auftrag und Regiebericht (WKO Bundesinnung Bau)
- Know-How am Bau – Folderserie, Ausgabe 5: Regieleistungen (WKO Bundesinnung Bau)
- Know-How am Bau 5: Regieleistungen – Volltext-Broschüre (Kropik, Bundesinnung Bau, 2017)