Elektriker kniet vor einem offenen Sicherungskasten in einer Altbauwohnung und schreibt auf einem Klemmbrett einen Kostenvoranschlag, daneben eine Werkzeugtasche mit Prüfgeräten, im Hintergrund die wartende Kundin; Banner-Text „Kostenvoranschlag Elektriker“

Kostenvoranschlag als Elektriker: Vorlage

· Redaktion

Ein Kunde ruft an: In der Altbauwohnung löst der FI ständig aus, er will wissen, was die Fehlersuche kostet. Bevor du hinfährst, stellt sich eine Frage, die viele Elektriker unterschätzen: Bindet dich der Kostenvoranschlag, den du ihm schickst, oder ist er nur eine Schätzung? Die Antwort hängt vom Kunden ab, und genau das erklärt dieser Artikel, inklusive einer fertigen Vorlage für Elektroarbeiten.

Was ist ein Kostenvoranschlag – kurz erklärt

Ein Kostenvoranschlag ist eine detaillierte Kostenschätzung. Er schlüsselt die voraussichtlichen Kosten eines Werks nach Arbeits-, Material- und sonstigen Kosten auf.

Anders als ein Angebot, das dich an einen genannten Preis bindet, ist der Kostenvoranschlag von Haus aus eine Schätzung. Laut WKO ist kennzeichnend für einen Kostenvoranschlag “die detaillierte Aufgliederung des voraussichtlichen Gesamtpreises des Werkes nach Arbeitskosten, Materialkosten und sonstigen Kosten”. Wie stark dich diese Schätzung bindet, hängt aber entscheidend davon ab, wer dein Auftraggeber ist, dazu gleich mehr. Den Unterschied zum Angebot erklären wir ausführlich im eigenen Artikel zum Angebot schreiben als Elektriker.

Was gehört in einen Kostenvoranschlag für Elektroarbeiten?

Leistungsbeschreibung, Aufwandsschätzung, Preis und Gültigkeitsdauer. Dazu ein Hinweis, falls die Erstellung selbst etwas kostet, und deine Kontaktdaten.

Konkret für Elektroarbeiten:

  • Leistungsbeschreibung: was genau gemacht wird (z. B. Fehlersuche im Stromkreis, Tausch FI-Schalter, Verlegung neuer Leitungen), inklusive Material vs. Regie
  • Mengen- und Zeitschätzung: geschätzter Material- und Stundenaufwand
  • Preis: geschätzter Gesamtpreis netto, USt-Satz gesondert, Preis brutto
  • Gültigkeitsdauer: wie lange die Schätzung gilt
  • Kostenpflicht-Hinweis: falls du für die Erstellung selbst etwas verrechnest (siehe unten)
  • Kontaktdaten: Name und Anschrift deines Betriebs

Je genauer du das aufschlüsselst, desto eher hält die Schätzung auch, wenn es beim Kunden nachher Diskussionen gibt.

Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?

Bei Privatkunden ja, bei Firmenkunden im Zweifel nicht. Gegenüber Privatkunden gilt ein Kostenvoranschlag als verbindlich, außer du schließt das vorher ausdrücklich aus.

Hier gelten zwei unterschiedliche gesetzliche Vermutungen, je nachdem, wer dein Vertragspartner ist:

  • Gewerbekunde, Bauträger, andere Unternehmer (B2B): Der Kostenvoranschlag ist im Zweifel unverbindlich. Laut WKO gilt: “Gegenüber Unternehmern ist ein Kostenvoranschlag im Zweifel unverbindlich – d.h. sofern vertraglich nichts anderes vereinbart wird.” Grundlage ist § 1170a ABGB.
  • Privatkunde (B2C): Hier dreht sich die Vermutung um. Laut WKO gilt: “Gegenüber Verbrauchern ist ein Kostenvoranschlag stets verbindlich, sofern der Unternehmer nicht ausdrücklich das Gegenteil erklärt.” Grundlage ist § 5 Abs. 2 KSchG. Willst du dich nicht binden, etwa weil bei einer Fehlersuche in einer alten Installation der Aufwand kaum abschätzbar ist, musst du das vorher ausdrücklich sagen. Am besten schriftlich direkt am Kostenvoranschlag.

Für die Praxis heißt das: Die meisten deiner Kleinaufträge laufen mit Privatkunden, also greift meistens die strengere Verbraucher-Regel. Willst du dich bei unsicherem Aufwand absichern, schreib es auf den Kostenvoranschlag drauf, zum Beispiel “unverbindliche Schätzung, endgültiger Preis abhängig vom tatsächlichen Fehlerbild”.

Vergleichstabelle: Kostenvoranschlag gegenüber Firmenkunden (B2B) ist im Zweifel unverbindlich nach § 1170a ABGB, gegenüber Privatkunden (B2C) ist er im Zweifel verbindlich nach § 5 Abs. 2 KSchG, außer ausdrücklich ausgeschlossen.

Was passiert, wenn der Kostenvoranschlag überschritten wird?

Eine beträchtliche Überschreitung musst du unverzüglich melden. Als Richtwert dafür nennt die WKO eine OGH-Rechtsprechung: mehr als 15 % über der Schätzung.

Zeichnet sich eine unvermeidliche, beträchtliche Überschreitung ab, musst du das dem Kunden sofort anzeigen, sonst verlierst du den Anspruch auf die Mehrkosten. So steht es in § 1170a Abs. 2 ABGB, und das gilt sowohl bei B2B- als auch bei B2C-Aufträgen.

Wichtig zu wissen

Die 15 % sind ein Richtwert aus der Rechtsprechung, keine feste gesetzliche Grenze. Ob eine Überschreitung im Einzelfall “beträchtlich” ist, hängt auch von der absoluten Höhe und dem konkreten Auftrag ab. Im Zweifel lieber früher als später anrufen.

Für die Praxis heißt das: Sobald du bei der Fehlersuche merkst, dass mehr Aufwand ansteht als geschätzt, ruf den Kunden an oder schreib ihm, bevor du weiterarbeitest. Das kostet zwei Minuten und schützt deinen Anspruch auf die Mehrkosten.

Ablaufdiagramm: Mehraufwand erkennbar, führt zur Frage Überschreitung über 15 % Richtwert, führt zur Pflicht, den Kunden unverzüglich zu informieren, mit Hinweis, dass ohne Meldung keine Mehrkosten verrechenbar sind.

Kostenvoranschlag als Elektriker: Vorlage & Muster

Jede Position einzeln, Preis netto und brutto, plus Gültigkeitsdauer. Ein Kostenvoranschlag für Elektroarbeiten listet die einzelnen Leistungen mit geschätztem Aufwand auf und weist die USt gesondert aus.

Beispiel für eine Fehlersuche mit anschließender Reparatur in einer Altbauwohnung:

  • Anfahrt: 35 € netto
  • Fehlersuche Stromkreis (geschätzt 1,5 Std. à 70 €): 105 € netto
  • Tausch FI-Schalter inkl. Material: 180 € netto
  • Steckdose nachrüsten inkl. Material: 90 € netto
  • Zwischensumme netto: 410 €
  • zzgl. 20 % USt: 82 €
  • Geschätzter Gesamtpreis brutto: 492 €
  • Gültig bis: 15.09.2026
  • Hinweis: unverbindliche Schätzung, endgültiger Preis abhängig vom tatsächlichen Fehlerbild

Die Zahlen sind frei gewählt, das Prinzip bleibt bei jedem Auftrag gleich: Positionen einzeln aufschlüsseln, USt gesondert ausweisen, Gültigkeit nicht vergessen. Deine Regiestunden setzt du am besten zu deinem eigenen kalkulierten Stundensatz an, nicht zu einem Wunschwert aus dem Bauch heraus. Wie du deinen Stundensatz sauber kalkulierst, zeigen wir im eigenen Artikel dazu.

Darf ich für einen Kostenvoranschlag Geld verlangen?

Ja, wenn du vorher ausdrücklich auf die Zahlungspflicht hinweist. Bei Privatkunden schreibt das Konsumentenschutzgesetz diesen Hinweis vor.

Laut WKO gilt: “Nach dem Konsumentenschutzgesetz hat ein Verbraucher ein Entgelt für die Erstellung eines Kostenvoranschlages durch einen Unternehmer nur dann zu bezahlen, wenn er vorher auf die Zahlungspflicht ausdrücklich hingewiesen worden ist.” Grundlage ist § 5 Abs. 1 KSchG. Praktisch heißt das: Sagst du dem Kunden am Telefon vorher, dass die Anfahrt zur Besichtigung 35 € kostet, kannst du das verrechnen. Sagst du nichts, ist die Erstellung des Kostenvoranschlags für Privatkunden gratis.

Kostenvoranschlag oder gleich ein Angebot?

Bei klar abschätzbarem Aufwand ein Angebot, sonst Kostenvoranschlag. Ist der Aufwand unsicher, zum Beispiel bei Fehlersuche oder unbekannter Altinstallation, ist der Kostenvoranschlag die ehrlichere Wahl.

Ein Angebot bindet dich an Preis und Leistung, dafür weißt du beim Kostenvoranschlag im Vorfeld oft noch nicht genau, was auf dich zukommt. Bei einer Steckdosen-Nachrüstung oder einer PV-Montage mit bekannter Anlagengröße kannst du meist gleich ein Festpreis-Angebot legen. Wie du ein solches Angebot rechtssicher aufbaust, liest du im eigenen Artikel zum Angebot schreiben als Elektriker.

Kurz & praktisch

  • Bei Privatkunden gilt der Kostenvoranschlag im Zweifel als verbindlich, bei Firmenkunden nicht
  • Willst du dich nicht binden, schließ das vorher ausdrücklich aus, am besten schriftlich
  • 15 % gilt als Richtwert für eine “beträchtliche” Überschreitung, keine feste Grenze
  • Überschreitung immer unverzüglich melden, sonst bleiben die Mehrkosten bei dir hängen
  • Entgelt für die Erstellung nur verlangen, wenn du vorher ausdrücklich darauf hingewiesen hast

Ein Kostenvoranschlag ist kein loses Versprechen, sondern hat je nach Kunde echte rechtliche Wirkung. Wer das vorher weiß, schreibt seine Schätzungen konkreter und vermeidet Diskussionen, wenn der Aufwand am Ende doch anders ausfällt. Stand: Juli 2026, Rechtsprechung und Richtwerte prüfst du am besten vor jedem größeren Auftrag nochmal bei der WKO.

Nimmt der Kunde deinen Kostenvoranschlag an, folgt der nächste Schritt: eine schriftliche Bestätigung des Auftrags, bevor du Material bestellst. Wie die aussieht, zeigen wir im Artikel zur Auftragsbestätigung-Vorlage für Elektriker.

Ist der Auftrag erledigt, wird daraus eine Rechnung. Wie du die als Elektriker richtig aufsetzt, liest du im Artikel zum Rechnung schreiben als Elektriker.

Quellen